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Coronavirus infiziert Veranstalterbranche

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Wir müssen reden. Auch wenn uns das Thema auf den Sack geht. Wir tagtäglich überflutet werden mit Informationen und Nachrichten. Wir müssen über diesen bescheuerten Coronavirus reden. Denn dieser schleicht sich immer mehr in all die Bereiche, die uns lieb und teuer sind.

Spätestens nach letztem Sonntag und der „Empfehlung“ unseres Gesundheitsministers Jens Spahn, sowie den Entwicklungen in der Schweiz und Österreich, werden nun auch in Deutschland Veranstalter, Künstler und Clubs das Thema vermehrt zu spüren bekommen.

Anmerkung: Dieser Artikel ist teilweise ein Kommentar und spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider.

Verbote und Einschränkungen

Jens Spahn sagte der Deutschen Presse Agentur, dass Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern vorerst abgesagt werden sollten. Dies ist erstmal nur eine unverbindliche Empfehlung, wurde aber in der Schweiz bereits Ende Februar staatlich festgelegt. Österreich wird ab dem 01.04.2020 einen Schritt weiter gehen und verbietet Veranstaltungen über 100 Personen in geschlossenen Räumen, und möchte, dass Outdoor-Veranstaltungen über 500 Menschen abgesagt werden. Dass solche Schritte auch in Deutschland staatlich festgelegt werden, könnte nur noch eine Frage der Zeit sein. Bayern hat dies bereits schnell umgesetzt und auch andere Bundesländer könnten folgen.

Link: Spahn zu Coronavirus – Events mit mehr als 1000 Menschen absagen
Link: Coronavirus: Schweiz verbietet Großveranstaltungen
Link: Österreich setzt Maßnahmen von Notfallplan in Kraft
Link: Bayern untersagt Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen

In seinem Appell sprach Spahn die Bürger auch direkt an: „Wägen Sie ab, was Ihnen im eigenen Alltag so wichtig ist, dass Sie darauf in den nächsten zwei bis drei Monaten nicht verzichten wollen, sei es der Clubbesuch, die Geburtstagsfeier im familiären Kreis oder die Vereinssitzung.“

Da das noch alles „Empfehlungen“ und keine Anordnungen sind, traf das auch auf geteiltes Echo. Auch ich sehe die Lage eher differenziert. Aber ich muss mit meiner Einstellung nicht recht haben, es ist eben meine Ansicht und diese teile ich hier mit Euch.

Sinnvolle Maßnahmen?

So mahnte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, zu „realistischer Gelassenheit“. Seiner Ansicht nach sind „Gesetzliche Verbote für Großveranstaltungen nicht zielführend“ und man „könne doch nicht das öffentliche Leben stilllegen“.

Ich schließe mich dieser Einschätzung teilweise an. Klar ist, in erster Linie sollen solche Maßnahmen zur Eindämmung und Verlangsamung bei der Ausbreitung des Virus führen. Ob diese Zielsetzung mit solch pauschalen Einschränkungen allerdings sinnvoll ist, erscheint mir in meinen Augen fraglich. Wenn, dann müsste man alle Bereiche einschränken, die mit dem Kontakt mehrerer Menschen zu tun haben.

Denn ein Virus macht keinen Unterschied, ob es nun eine Veranstaltung mit 100 oder 1000 Besuchern ist. Jeder Busfahrer hat in seinem 8 Stunden Job Kontakt mit unzähligen Menschen. Jeder, der mit den öffentlichen Verkehrsmitteln jeden Tag zur Arbeit fährt, hat diesen Kontakt. Ebenso alle, die im Einzelhandel oder der Gastronomie tätig sind, und noch viele weitere Berufsarten.

Also wenn man konsequent sein wollte, dann müsste man einen kompletten „Shut Down“ machen und nicht nur ein paar Stellen einschränken. Doch dies wäre mit immensen wirtschaftlichen Schäden und hohen Kosten verbunden.

Doch schauen wir uns die aktuelle Lage hier bei uns und den Nachbarländern genauer an. Wir haben aktuell 82,79 Millionen Bewohner in Deutschland. Davon sind 1281 Infizierte (stand 10.03.2020). Das sind aktuell Zahlen, die – zumindest nach meiner Ansicht – die vorherrschende Panik nicht rechtfertigen. Die Fälle, die hier bei uns in Hessen bekannt wurden, haben alle nachvollziehbare Infektionsketten und wurden isoliert.

Die Schweiz hat aktuell 497 Infizierte und Österreich 157. Man kann anhand der Zahlen also schon sehen, dass die Schweiz und Österreich aufs massivste reagierten.

Mehr Daten und Infos:: worldometers.info

Abwägen

Steht das alles im Verhältnis? Klar, ich bin kein Experte, aber ich habe so meine Bedenken. Denn wenn ich die aktuellen Nachrichten auf den Portalen meines Vertrauens (auf keinen Fall BILD) lese, dann bekomme ich den Eindruck, dass uns das Ende der Zivilisation bevorsteht. Da gibt es Liveticker, die uns minutiös über jedes Vorkommnis im Zusammenhang mit dem Coronavirus auf dieser Welt informieren. Wenn man diesen Nachrichten ständig folgt, dann kann ich mir schon vorstellen, woher die Hamsterkäufe und der Wahn nach Desinfektionsmittel kommen.

Versteht mich nicht falsch, denn ich gehöre zu jener Risikogruppe, für die der Coronavirus lebensgefährlich werden kann. Ich habe seit meiner Kindheit ein chronisches Nierenleiden, nehme jeden Tag Medikamente und mein Immunsystem ist wesentlich empfindlicher als das eines normal gesunden Menschen. Doch ich kann mich trotz dieser Vorbelastung der vorherrschenden medialen Panik nicht anschließen. Denn jedes Jahr zur Grippesaison habe ich ein erhöhtes Risiko, bei einer Infektion einen kritischen Krankheitsverlauf zu bekommen.

Die Grippe hat im Übrigen in der aktuellen Saison bereits ca. 200 Menschen in Deutschland getötet (über 90.000 weltweit). Das soll den Coronavirus nicht herunterspielen. Aber bei den aktuellen Fallzahlen in Europa und hier in Deutschland –  selbst wenn man die Inkubationszeit von teils bis zu 14 Tagen mit einberechnet – bekam ich das Gefühl nicht los, dass hier gerade etwas massiv am Rad gedreht wird.

Link: Mehr als 200 Influenza-Tote in Deutschland

Nun, die bisherigen ausgesprochenen empfohlenen Einschränkungen sollen ja dazu dienen, dass die Verbreitung des Virus eingeschränkt wird. Alles schön und gut und macht in den bereits stärker betroffenen Gebieten sicher auch Sinn. Doch in anderen Gebieten wohl eher nicht. Es ist also durchaus abzuwägen, in welcher Region man sich befindet und wie die dortige Lage aktuell ausschaut. Wir im Rhein-Main-Gebiet sind da bisher noch relativ sicher. Ich persönlich sehe daher bei der aktuellen Lage keinen Grund, nicht mehr am öffentlichen Leben teilzunehmen.

Es könnte schlimmer werden

Doch man muss sich eben auch immer vor Augen halten, dass sich die Situation schlagartig verändern kann – ja, wahrscheinlich wird. So müssen wir uns aktuell zwar kaum einschränken, aber wir sollten darauf gefasst sein, dass dies schnell passieren könnte.

Wichtig ist und bleibt, dass jeder, der Anzeichen einer Erkrankung bemerkt, vorsorglich in seinen 4 Wänden bleibt und sich gegebenenfalls checken lässt. Außerdem sollte jeder mit mehr extra Engagement auf seine Hygiene (z.b. beim Husten, Niesen) achten und das öfter Händewaschen verinnerlichen. Eben genauso, wie man sich auch bei einer ganz normalen Grippewelle verhalten sollte.

Link: Coronavirus FAQ Seite des Robert Koch Institut

Auch wenn hier im Rhein-Main-Gebiet bisher kaum Auswirkungen zu spüren waren, so kann ich dennoch verstehen, wenn mancher Veranstalter seine Veranstaltung in naher Zukunft lieber absagt oder verschiebt. Weltweit sind bereits diverse Messen in den kommenden Wochen abgesagt worden, was vor allem durch das meist internationale Publikum zu begründen ist. Aber auch in unseren Sphären werden erste Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Es muss wohl auch immer abgewägt werden, welche Dimension eine Veranstaltung hat.

Ein Clubabend ist immer noch etwas anderes als ein Indoor-Festival mit tausenden Besuchern aus allen umliegenden Regionen plus internationalen Gästen. Dass man da in der momentanen Lage andere Maßstäbe ansetzen sollte, scheint irgendwie ganz logisch zu sein. Dieser Überlegung kommen auch bereits große internationale Festivals nach, und daher häufen sich die Absagen. Dazu kommen bereits zum Teil vorhandene Probleme beim Reisen, was der ein oder andere internationalen Künstler bereits zu spüren bekam.

Es wird also durchaus mit Sorge auf die kommenden Wochen und Monate geschaut – nicht nur von der Veranstaltungsbranche. Denn Veranstaltungen im Bereich elektronischer Musik haben nun mal ganz andere Budgets im Hintergrund als eine „Abba bis Zappa Party“ im Oberbayern. Dave Clark hat sich dahingehend auch seine Gedanken gemacht und per Facebook ein Post veröffentlicht.

(Übersetzt) „Diejenigen unter Euch, die wegen dieses Virus Gigs absagen müssen, sendet bitte die Gagen an die Veranstalter zurück, damit diese den Fans Ihre Kosten zurückerstatten können und jeder überleben kann, um diese sehr lange Notlage zu überstehen.

Diejenigen unter Ihnen, die wie einige große Unternehmen keine Steuern zahlen, sollten sich bewusst sein, dass Ihr Egoismus auch den örtlichen Gesundheitsdiensten schadet.“

Quelle: Dave Clark Facebook

Erstmal alles „fast“ wie immer

Es kann also sein, dass wir schon bald nicht mehr an Einschränkungen vorbeikommen. Doch bei der aktuellen Lage hier im Rhein-Main-Gebiet bin ich mir nicht sicher, ob wir uns im öffentlichen Leben bereits jetzt schon so massiv einschränken sollten. Die Lage hier vor Ort gibt in meinen Augen aktuell noch keinen Anlass dazu.

Von daher könnte man es auch so sehen: Erstmal ganz normal seinen Spaß haben, bevor die Lage schlimmer wird.

Doch man kann es drehen und wenden wie man will, wir werden wohl noch eine Weile nicht um das Thema Coronavirus herumkommen und uns damit auseinandersetzen müssen. Wir sollten am Besten einfach immer im Hinterkopf behalten, dass uns Einschränkungen bevorstehen und wir damit umgehen müssen. Aber all dies sollte mit einem klaren Kopf erfasst und verarbeitet werden. Es geht hier immerhin um eine Lungeninfektion mit ganz klaren Risikogruppen von vor allem Vorbelasteten, Älteren und Menschen mit schwachem Immunsystem.

Ich als Teil dieser Risikogruppe werde die Lage weiterhin genau beobachten und daraus meine Schlüsse ziehen, wie ich in der nahen Zukunft am öffentlichen Leben teilhaben werde – oder auch nicht. Ich kenne so etwas bereits fast mein ganzes Leben. Einschränkungen sind nichts Neues für mich. Somit ist damit umzugehen schon fast etwas Normales.

Aber wie auch immer, egal ob ich oder Ihr. Lasst uns weiter mit einem kühlen und klaren Kopf auf die Lage reagieren. Die Medien machen einen im Moment echt kirre im Kopf, aber man sollte auch immer das Große und Ganze betrachten und daraus Schlüsse ziehen.

Bleibt stabil.
Euer Grille

Über den Autor

Grille

Über den Autor: Er ist der kreative Kopf hinter der Frankfurter Toxic Family und ist als Künstler und Veranstalter seit Jahren im Rhein-Main-Gebiet aktiv. Hier auf toxicfamily.de schreibt und berichtet er vor allem über seine Leidenschaft zur elektronischen Musik und der Club- und Event-Szene. Einmal in der Woche meldet er sich im Newsletter der Toxic Family, auch schon mal etwas persönlicher zu Wort.

2 Kommentare

  1. Avatar

    Sehr guter Text. Ich sehe es genauso wie Grille und werde morgen feiern gehen. Bleibt Gesund, Gruss Angie

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