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Der Prozess um die Love Parade Katastrophe – Eine Farce sondergleichen

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Anmerkung: Dieser Kommentar spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider.

Der Prozess um das Loveparade-Unglück ist einer Farce sondergleichen. Es ist ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen der Toten und all den Menschen, die damals in Panik um Ihr Leben fürchteten.

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Die Stadt Duisburg wollte sich Profilieren und ein Event in einer Größenordnung veranstalten, der sie im Vorfeld schon nicht gewachsen war. Die sogenannten Planungsfehler hätte man mit etwas Menschenverstand bereits in der Konzeptionsphase erkennen können. Es ist und bleibt unbegreiflich, wie man so ein Event auf Biegen und Brechen durchziehen musste, statt den den Arsch in der Hose zu haben und zu sagen: Duisburg ist der Sache nicht gewachsen. Stattdessen hatte man scheinbar ganz nach dem Motto „es wird schon alles gut gehen“, ein Event mit bis zu 1.000.000 Menschen auf einem viel zu kleinen Raum veranstaltet.

Das Trauerspiel beim Prozess und die Posse um Verantwortliche, wie den Ex-Ober-Bürgermeister Sauerland oder Love-Parade-Veranstalter Rainer Schaller, den kruden Vorlagen von seltsamen Gutachten und Expertisen und und und… das alles ist an Scham nicht zu überbieten. Über 8 Jahre bekommt man es nicht hin, den Angehörigen der Opfer einen Abschluss zu verschaffen. Es ist eines der traurigsten Justizereignisse in Deutschland und beschämt weltweit.

Es ist, fasst schon Nebensache, dass mit dem Verkauf der Marke Love Parade an Rainer Schaller diese starb. Dass aber die Love Parade, als Paradebeispiel für eine Generation der Liebe, Toleranz und musikalischen Verständigung, mit so einer Katastrophe in den Geschichtsbüchern auf ewig vermerkt ist, das ist ein bitterer Geschmack. Dieses Event, das einst für so viel Besonderem weltweit stand, wurde am Ende durch Profilierungssucht und eine Durch-Kommerzialisierung all dem beraubt.

Es ist eine Schande, dass deshalb 21 Menschen zu Tode gekommen sind. Eine ebenso große Schande ist aber das Possenspiel der deutschen Justiz.

Grille

Link: Loveparade-Prozess – Einstellung des Prozess gegen die meisten Angeklagten
Link: Loveparade-Katastrophe 2010 – Es kommt doch zur Verhandlung
Link: Love-Parade-Katastrophe 2010 – Gericht lehnt Prozess ab

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  Eventhinweise

Über den Autor

Grille

Über den Autor: Er ist der kreative Kopf hinter der Frankfurter Toxic Family und ist als Künstler und Veranstalter seit Jahren im Rhein-Main-Gebiet aktiv. Hier auf toxicfamily.de schreibt und berichtet er vor allem über seine Leidenschaft zur elektronischen Musik und der Club- und Event-Szene. Einmal in der Woche meldet er sich im Newsletter der Toxic Family, auch schon mal etwas persönlicher zu Wort.

2 Kommentare

  1. Avatar

    Dir ist klar das du dich in Dtl. bewegst und auch bei so einem komplizierten Fall, alle Einwände (von allen Seiten) gehört werden müssen?

    Wenn es nicht um Mord geht, verjähren Fälle eben u. so ist in komplexen Fällen Strategie der Verteidigung, den Fall in die Länge zu ziehen u. dann Absprachen zu treffen.

    Das unser Strafrecht reformiert werden muß, sieht man an solchen Fällen. So erwarte ich deinen Vorschlag, wie das geschehen könnte und wie wir diese Änderung durchsetzen können?

    • Grille

      Ja eine Reformierung bedarf es wirklich. Aber ich zitiere mal einen Bericht der Süddeutschen, der es auf den Punkt bringt, warum ich mich hier in diesem Kommentar so aufgeregt habe.

      „Das Gesetz gibt die Möglichkeit zur Einstellung eines Verfahrens, „wenn kein öffentliches Interesse an der Verfolgung besteht“ oder wenn eine Geldauflage geeignet ist, „das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen“. Aber: Es wäre eine Lüge, hier so etwas zu behaupten. Das Loveparade-Unglück hat die Menschen erschüttert, es bewegt sie immer noch. Weltweit wurde darüber berichtet, es wurden Gesetze und Verwaltungsvorschriften geändert, es wurden Politiker abgewählt, es wurden Stiftungen für die Opfer gegründet. Es wurde Aufklärung versprochen, beteuert und beschworen. Gilt das nicht mehr? Kein öffentliches Interesse? Das wäre die Vergewaltigung des Gesetzeswortlauts. Das wäre eine Lüge.“

      Abgesehen davon ist die ganze Entwicklung des Prozesses, an manchen Punkten, mehr als Fragwürdig gewesen. Oft hatte man den Eindruck, man wolle einen Prozess lieber verhindern.

Los, schreibe einen Kommentar.

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