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Roadhouse Festival-Mitveranstalterin kritisiert das aktuelle Techno-Biz

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Die Stimmen, welche das aktuelle Technobiz kritisieren, werden lauter.  So auch die Mitveranstalterin des Roadhouse Festival Carmen Schrenk. Diese machte sich in einem langen Facebook-Beitrag Luft und brachte viele Dinge auf den Tisch, die auch wir schon seit Jahren kritisch sehen.

Als Veranstalter stellten wir uns schon vor Jahren der Preis und Namens-Spirale entgegen. Das hat viel Blut und Schweiß gekostet, da sich das Publikum auch schon mal wie Zombies verhalten kann. Doch wenn, alle das Spiel mitmachen, wird sich nie etwas ändern und die Technokultur am Ende vom Biz komplett gefressen.

Diese Themen scheinen durch Corona nun vermehrt auf den Tisch zu kommen.  So stellt sich natürlich auch die Frage, was wird nach Corona? Denn eines ist klar, so kann und darf es nicht weitergehen. Es muss mehr Verhältnismäßigkeit und Nachhaltigkeit in Zukunft geben. Und die Musik sollte endlich wieder vermehrt im Vordergrund stehen. Das wäre schön.

Hier nun das Statement von Carmen Schrenk:

Eigentlich wollte ich nach dem Roadhouse Festival, welches im März 2020 geplant war, mein Tun als Veranstalter beenden. Und vier Tage vor der Veranstaltung PENG kam Corona und das ganze wurde erst in den August 2020 und nun auf März 2021 verschoben. (Ich hoffe sehr, dass es statt finden darf!) bis dahin mach ich jetzt also eine Pause.
Aufhören wollte ich, weil ich seit geraumer Zeit keinen Spaß mehr hatte. Jetzt muss ich ausholen – der Text wird lang! Und NEIN ich werde niemals Namen nennen!
Und natürlich sind auch nicht alle so wie nachfolgend beschrieben!

Wer mich kennt weiß, ich bin vielleicht mal extrem zickig und kann echt anstrengend sein, manches hätte ich rückblickend sicher anderes gemacht aber wer mich kennt oder schon mit mir gearbeitet hat weiß, ich bin fleißig, ich arbeite zuverlässig und ordentlich, 100% loyal, bin eine ausgesprochen gute Gastgeberin und ich hab das ganze immer mit sehr viel Spaß und Leidenschaft betrieben!

Ich begann in einer ganz anderen Zeit wie heute in einem großen Würzburger Club zu arbeiten. Zu dieser Zeit schrieb man dem Booker des Künstlers eine Mail mit einer Anfrage oder rief einfach mal an, klärte den Termin und die Gage. Easy. Gagen waren alle überschaubar und alles über 2000€ war echt viel und selten.
Dann drehte sich die Szene irgendwann. Da wurden die Gagen immer höher, die Rider mit Sonderwünschen immer länger und Künstler welche man schon oft gebucht hatte, hatten plötzlich kein Interesse mehr daran in würzburg zu spielen (Zitat: würzburg ist nicht sexy!), spielten lieber für das 4fache an Gage im Ausland (Zitat: „wir konzentrieren uns jetzt lieber aufs Ausland“) oder hatten Verträge mit Veranstaltungs-Konzernen großer Festivals welche einen riesigen Gebietschutz einräumten und Auftritte 200km weiter um würzburg nicht gestatteten. Noch ein beliebter Absage Grund war auch „wen DJ XY da spielt spielt unser DJ nicht!“ oder es kam nicht mal mehr ein Antwort auf die booking Anfrage.
Immer mehr Festivals traten auf die Bildschirmfläche.

Der Kampf um die angesagten DJs wurde immer schärfer, die Gagen gingen jetzt locker durch den 5stelligen Bereich und der Gast kam auch nur noch wenn einer der top DJs gebucht war. Der von allen geforderte headliner kam allerdings gar nicht mehr auf die Idee alleine in würzburg als headliner für mehrere 1000 Euro zu spielen! Nein nein, nur wenn am selben Abend noch andere headliner spielen würde. Und sollte man sich wirklich leisten können andere headliner am selben Abend zu buchen brach der Kampf um die Reihenfolge auf dem blöden Flyer aus, wer bitte ganz oben stehen darf und wer vor wem spielt war dann die nächste endlose Diskussion.
Während meiner Schwangerschaft habe ich mich schon zurück gezogen aus diesem Geschäft und zu dieser Zeit klingelte mein Telefon selten. Kaum ein Booker fragte nach, was ich denn so mache und ob ich nicht noch mal einen Act buchen möchte.
Aber heute!

Aktuell in corona Zeiten melden sie sich plötzlich wieder. Agenturen welchen man in den Arsch kriechen musste, sich hoch schlafen musste im Sinne von Künstler dazu buchen müssen die man gar nicht wollte und keiner kennt um an den Act zu kommen den man eigentlich will! Booker von Künstlern die man schon gebucht hatte als noch kein Hahn nach ihnen gekräht hatte und die dann keine Möglichkeit mehr gefunden haben diesen DJ auftreten zu lassen da sie jetzt exklusiv leider leider mit jemandem anderen arbeiten oder Welche lieber bei dem Veranstalter der halt den Tausender mehr gezahlt hat spielten ….

Und genau diese Booker derer Acts rufen JETZT an, was man so macht und ob man nicht eine Idee hat wo man den Künstler auftreten lassen könnte und das natürlich für einen echt schmalen Taler! Whaaaat?

Liebe Leute, von „wir sind eine große Techno Familie“ hatte der ganze Zirkus seit Jahren nichts mehr! Es ging ums Geld und um Ansehen. Alle wollen immer nur noch mehr und mehr. Love peace und techno ist schon lange aus.

Ich hoffe inständig dass sich diese Branche in der für alle schwierigen Corona Zeit erholt. Und dass so mancher überheblich Sack vielleicht mal von seinem hohen Ross herunter kommt.

Vielleicht schaffen es ja die DJs ihren Agenturen etwas auf die Finger zu schauen falls diese sowas wirklich nicht mitbekommen sollten. Vielleicht erinnert man sich in Zukunft länger daran, wer einem als junger aufsteigender Act schon mal die Chance gegeben hat und wo und mit wem man gutes Partys hatte, bevor es nur noch darum geht wer am meistens Scheine auf den Tisch legt. Ich freu mich für die Club, wenn diese für die Künstler wieder mehr Bedeutung bekommen und nicht nur die großen Festivals mit den super Gagen zählen.

Ich hatte eine super Zeit. Ich hoffe andere, kleinere Veranstalter bekommen auch noch Möglichkeiten was zu reißen ohne dieses gefighte!
Und liebe Techno Gäste, an euch auch noch etwas: Veranstalter leben davon, dass Gäste kommen und Eintritt zahlen. Denn es hängt viel mehr als nur die DJ Gage an so einer Veranstaltung. Was das alles kostet kann man sich schwer vorstellen.

Also wenn ihr wollt, dass euch langfristig was geboten wird, unterstützt das auch! Homie Abende haben nämlich auch ihren Charme! Support your locals! Sei es der Veranstalter oder der DJ. Für die seid ihr wichtig!

Es gab eine Zeit, da ging’s darum die Augen zu zu machen, die Musik zu spüren, zu tanzen, Spaß haben und Freunde zu treffen! Wer aufgelegt hat war zweitrangig. Es geht auf keinen Fall darum DJ Soundso mit dem Handy zu filmen. Vielleicht hast nämlich deinen Traummann / deine Traumfrau die vorbei gelaufen ist verpasst während du aufs Handy gestarrt hast! Die musst dann erst wieder auf tinder matchen…. 🙄

NACHTRAG:
Gemeint waren hier natürlich keine kleinen Agenturen die „kleine“ DJs vertreten sondern eher eben die mit den höheren Gagen und Ansprüchen.
Am Ende ist dies wohl als Appel an alle Gäste zu sehen nicht nur auf die großen Festivals oder Partys auf denen die großen Headliner dieser Welt spielen zu gehen. Sonst ändert sich am Ende nichts, denn es ist wie in jeder Branche ein reagieren auf Angebot und Nachfrage.

Quelle: Facebook

Über den Autor

Grille

Über den Autor: Er ist der kreative Kopf hinter der Frankfurter Toxic Family und ist als Künstler und Veranstalter seit Jahren im Rhein-Main-Gebiet aktiv. Hier auf toxicfamily.de schreibt und berichtet er vor allem über seine Leidenschaft zur elektronischen Musik und der Club- und Event-Szene. Einmal in der Woche meldet er sich im Newsletter der Toxic Family, auch schon mal etwas persönlicher zu Wort.

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