Pressespiegel: Goetheplakette für Sven Väth

Am 17.7. wurde Sven Väth ist für seine Verdienste um die Entstehung der elektronischen Musik mit der Goetheplakette ausgezeichnet worden. Wir berichteten dazu ja bereits im Vorfeld.

Auch wenn wir uns über die Ehrung von Sven und seinem Schaffen sehr freuen und für absolut gerechtfertigt halten, so hat diese Plakette doch 2 Seiten. Denn schön wäre es ja, wenn die Stadt Frankfurt sich nicht nur in Ehrungen für die Köpfe der elektronische Musikkultur einsetzen, sonder auch aktiv an Ihrem Erhalt beteiligen würde. Denn mit solchen Ehrungen kann die aktive Szene nur wenig anfangen, wenn die Möglichkeiten zum Ausleben mit elektronischer Musik immer begrenzter werden.

Dass die elektronische Musikszene sich in Frankfurt mittlerweile etwas rarmacht, diesen Tenor konnte man auch im Pressespiegel zur Ehrung von Sven Väth vernehmen. Dennoch muss man aber sagen, auch wenn die große Namen nicht mehr so aus Frankfurt kommen oder hier aktiv sind, innerhalb der lokalen Szene gibt es viele aktive, engagierte und talentierte Acts, DJs, Produzenten und Veranstalter, welche die Fahne für Frankfurt hoch halten.

Hier nun ein paar Auszüge aus den Pressemeldungen zur Verleihung der Goetheplakette an Sven Väth:

Taz schreibt: Der „Babba“

Sven Väth erhält die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt. Das Erbe des Techno verwalten dort heute längst andere.
Im letzten Jahrhundert gab es einen Wettstreit zwischen Berlin und Frankfurt um den Status der Hauptstadt des Techno. Berlin entschied das Rennen alsbald für sich. Nun doppelt Frankfurt mit einem ganzen Paket an kultureller Aufarbeitung nach.

… „Babba“, wie Väth in Frankfurt gerne genannt wird, lebt mittlerweile abwechselnd in London und auf der Partyinsel Ibiza. Doch vielleicht hat sich diese Tatsache noch nicht bis in den Frankfurter Römer herumgesprochen.

Jedenfalls verleihen die Stadtoberen um Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) am Freitag Sven Väth die Goethe-Plakette. Die Verdienste des 50-Jährigen um den Aufbau der elektronischen Musikszene sind unbestritten. In seiner Heimatstadt nehmen ihm allerdings viele die Tatsache übel, dass er die Insolvenz seines Clubs auf das angegliederte Edelrestaurant abgewälzt hat. Mit dem Cocoonclub ist jedenfalls der Versuch gescheitert, die Tradition der Frankfurter Technoclubs wiederzubeleben.

Die Profiteure sitzen wenige Kilometer entfernt in Offenbach. Ihr Club „Robert Johnson“ ist der einzige Lichtblick in der Rhein-Main-Region, einst stolze Heimat von Clubs wie Dorian Gray im Frankfurter Flughafen, „XS“, „Omen“ oder dessen Nachfolger „U 60311“.

…Produzent Christian Rindermann alias DJ C-Rock. „Viele Bezugspunkte sind in Frankfurt längst verschwunden, genau wie die DJs nach Berlin abgewandert sind.“

…Achim Szepanski, der jahrelang im Frankfurter Untergrund legale und illegale Raves veranstaltet hat und bis 2005 auch die Labels Force Inc. und Mille Plateaux betrieb, kritisiert die Ranschmeiße an Väth und Konsorten: „Frankfurt will dadurch nur sein Städteranking verbessern.“

Link: www.taz.de

Die Welt schreibt: Der Zauberlehrling

…Die Goethe-Plakette wird in unregelmäßigen Abständen an Kulturschaffende verliehen, „die durch ihr schöpferisches Wirken einer dem Andenken Goethes gewidmeten Ehrung würdig sind“. Sven Väth wurde als der Mann geehrt, dem Frankfurt einen weltweiten Ruf als Musikstadt verdankt. Anders als Goethe, der schon in jungen Jahren Frankfurt verließ, um in Wetzlar und Weimar Karriere zu machen, ist Väth der Stadt lange Jahre treu geblieben – von regelmäßigen Abstechern nach Ibiza einmal abgesehen. Erst nach der Insolvenz seines Cocoon-Clubs zog er vor zwei Jahren nach London. Peter Feldmann fordert ihn auf, die Wohnsitzfrage noch einmal überdenken.

Link: www.welt.de

Journal Frankfurt schreibt: Goetheplakette für DJ-Legende

…Einerseits mag er etwas aus der Reihe der vorherigen Träger der Goetheplakette tanzen. Schließlich sind darunter Namen wie Albert Schweitzer, Max Horkheimer oder Albert Mangelsdorff. Anderseits war die Ehrung schon fast überfällig. Schließlich zählt er zu den bekanntesten Bürgern der Stadt: DJ-Legende Sven Väth.

…Zum Abschluss formulierte der DJ auch einen Wunsch an die Stadt: Man solle sich bewusst sein, welches Potential hier immer noch liege.

…Feldmann betonte auch, wie wichtig Väths Wirken für Stadt war und ist. „Die Clubszene ist ein fester Bestandteil unserer Kultur“, sagt er. Außerdem sei Techno der Soundtrack der Wiedervereinigung gewesen. Daher würde er sich sehr freuen, wenn Väth die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung mitgestalten würde – etwa mit einem Auftritt auf der Frankfurt-Bühne. Aber nicht nur hierzu lud Feldmann den Dj ein. „Vielleicht überlegen sie ja, irgendwann nach Hause zurückzukommen. Frankfurt würde sich sehr freuen“, so der OB.

Link: www.journal-frankfurt.de

Hessenschau schreib: Techno hat Frankfurt verlassen

Sven Väth ist am Freitag für seine Verdienste um die Entstehung der elektronischen Musik ausgezeichnet worden. Der DJ begründete Frankfurts Ruf als Techno-Hauptstadt. Doch das ist lange her. Die Musik und auch Väth spielen heute anderswo.

…Am Freitag erhielt Väth die Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt. Damit werden „die herausragenden Verdienste des DJs um die Entstehung und Entfaltung der elektronischen Musik in Frankfurt am Main“ gewürdigt, wie es in der Begründung der Jury heißt. Doch die hochoffizielle Auszeichnung für den Party-Pionier lässt schon erahnen: Richtig lebendig ist Techno in Frankfurt nicht mehr. Die Musik spielt längst anderswo.

…Der aus Obertshausen im Kreis Offenbach stammende Väth hatte immer Wert auf Lokalkolorit gelegt. Seiner Heimatregion war er jahrzehntelang treu geblieben.

Sein Weggang ist für die Techno-Szene in Frankfurt ein herber Verlust. Christian Rindermann, unter dem Namen C-Rock selbst DJ und früher Programmgestalter im Cocoonclub, hat beobachtet, dass Frankfurt nicht mehr so tonangebend sei, „weil viele Leute von hier weggegangen sind. Und weil sich strukturell viel verändert hat.“

…“Denk ich an Deutschland in der Nacht“ heißt die Techno-Doku, die derzeit von Filmemacher Romuald Karmakar gedreht wird. Der gebürtige Hesse will damit auch die Bedeutung des Rhein-Main-Gebiets für die Technokultur wieder ins richtige Licht rücken. Als Protagonisten hat er die DJs und Musiker Ata Macias, Roman Flügel (Alter Ego) und Ricardo Villalobos ausgewählt, nicht jedoch Sven Väth. Flügel und Villalobos haben ihre Karrieren im Frankfurter Omen beim „Babba“ gestartet – zu einer Zeit, in der dieser Innenstadtclub jedes Wochenende Technofans aus ganz Deutschland angezogen hat.

…Während in der deutschen Hauptstadt jedes Wochenende die Raves toben, ist Techno in Frankfurt bald reif fürs Museum: Andreas Tomalla alias Talla 2XLC (früher Macher des Technoclub im Dorian Gray) und Alex Azary (früher im Club XS) wollen in den kommenden Jahren an der Hauptwache ein Technomuseum aufbauen. Offizieller Name: Museum of Modern Electronic Music, kurz: Momem. Highlight des Technomuseums soll eine begehbare Discokugel werden.

Link:  hessenschau.de

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