Update: Tanz der Bässe – Bürgermeister will Event 2015 verhindern (nun doch nicht)

Das Open Air Event „Tanz der Bässe“ im südhessischen Lampertheim soll, wenn es nach dem Bürgermeister Gottfried Störmer geht, 2015 nicht mehr stattfinden. Denn dieser hat die Veranstaltung nicht mehr genehmigt. Wer jetzt denkt, dass es sich hier um Dinge wie den Umweltschutz handelt, ähnlich wie z.B. beim Love Family Park in Hanau, täuscht sich. Denn die Begründung des Bürgermeisters ist viel banaler.

Störmer reagierte damit auf polizeiliche Berichte, dass beim „Tanz der Bässe“ im Freibad Drogen gehandelt und konsumiert würden.

Tanz der Bässe - Foto by Chriss Undefined

Tanz der Bässe – Foto by Chriss Undefined

So jedenfalls wird auf www.morgenweb.de berichtet. Mit dieser Handhabe reiht sich Strömer in die Riege Politker ein, denen der Blick auf das Wesentliche fehlt. Warum nicht gleich Weihnachtsfeiern, Geburtstage, Konzerte und alle anderen Veranstaltungen, auf denen Musik und gesellschaftliches Beisammensein aufeinandertreffen verbieten. Entsprechen gehen daher auch die Ansichten, zu denen des Bürgermeisters, bei Parteikollegen auseinander.

Gegen Störmers Einschreiten wehrt sich die rot-grüne Koalition. Sie kündigte im Haupt- und Finanzausschuss eine Resolution an, um die Veranstaltung zu retten.

„Ich habe da eine andere Meinung als der Bürgermeister“, bestätigt Bäderchef Jens Klingler: „da wir in Lampertheim in diesem Maßstab für Jugendliche nichts anzubieten haben“. Beim „Tanz der Bässe“ handele es sich um eine Veranstaltung für junge Erwachsene mit all den für eine solche Veranstaltung verbundenen Problemen.

Zum Drogenkonsum sagt Klingler: „Das ist ein gesellschaftliches Problem, und das muss man anders lösen als durch das Verbot einer solchen Veranstaltung.“

Die Nachwuchsorganisation der SPD fordert in einer Pressemitteilung den Erhalt der Veranstaltung. „Wenn der Tanz der Bässe nicht mehr in Lampertheim stattfindet, verliert unsere Kommune ein Aushängeschild für junge Leute“, begründen die Jusos. Eine Veranstaltung zu verbieten, die weit über 3000 Menschen nach Lampertheim lockt, sei eines „jugendfreundlichen Lampertheims“ nicht würdig.

„Wir stellen nicht in Abrede, dass der Besitz und der Konsum von illegalen Substanzen bekämpft werden muss.“ Aber Verbote hülfen nicht weiter. Stattdessen sollten präventive Maßnahmen, etwa auch der Einsatz von Streetworkern, ins Auge gefasst werden.

Tanz der Bässe - Foto by Chriss Undefined

Tanz der Bässe – Foto by Chriss Undefined

Die Bekanntgabe der Entscheidung des Bürgermeisters blieb natürlich nicht ohne Folgen. Auf Facebook und Co. wurde Strömer stark kritisiert. Daher erklärte er sich in einer offiziellen Pressemitteilung.

Demnach habe er sich zu diesem Schritt entschlossen, nachdem beim jüngsten „Tanz der Bässe“ durch Kontrollen in etlichen Fällen Drogen gefunden worden seien. Im Zuge dieser Kontrollen seien zwei Beamte verletzt worden, einer davon schwer. Daraufhin habe sich die Frage gestellt, ob ein städtisches Unternehmen wie die Biedensand-Bäder den Boden für eine solche Veranstaltung bieten sollte, um dort illegalen Drogenhandel zu ermöglichen.

Da eine Untersagung der Veranstaltung nicht möglich sei, habe er die Biedensand-Bäder angewiesen, von einer Vergabe der Fläche in Zukunft Abstand zu nehmen. Störmer räumt ein, dies sei „keine populäre Entscheidung“. Sie sei aber zur Gefahrenabwehr und zur Verhinderung von Straftaten erforderlich.

Tanz der Bässe - Foto by Chriss Undefined

Tanz der Bässe – Foto by Chriss Undefined

Wie so oft bei Politikern liest sich auch diese Stellungnahme eher wie Eingeständnis die Realität der Dinge falsch zu bewerten und Abseits von anderen Gegebenheiten überzubewerten. Entsprechend dazu äußerte sich daher auch das CDU-Fraktionsmitglied Lisa Galvagno.

Für die Entscheidung des Bürgermeisters hat die junge Christdemokratin wie viele ihrer Altersgenossen kein Verständnis. Schon bevor der „Tanz der Bässe“ 2012 nach Lampertheim gekommen sei, habe es in der Stadt einen florierenden Drogenhandel gegeben. Die Veranstaltung nun ins Zentrum dieser Szene zu rücken, hält Galvagno für „waghalsig“. Auch auf Kerwe oder Spargelfest würden Drogen konsumiert.

Am Freitag den 12.12.2014 werden die Stadtverordneten zur Beratung zu diesem Thema zusammenkommen. Dann wollen vor dem Stadthaus rund 100 Jugendliche gegen die Entscheidung des Bürgermeisters protestieren.

Wir können nur hoffen, dass die Proteste und der poltische Gegenwind etwas bewirken wird. In der Vergangenheit hat sich an vielen anderen Beispielen gezeigt, dass Verbote nichts bringen und schon gar keine Lösung bei solchem Thema sind.

Quelle: http://www.morgenweb.de

Update: 11.12.2014

Wie es scheint hat der Bürgermeister von Lampertheim, nach all den Protest und Kritik, seine Entscheidung noch einmal überdacht und ist zurückgerudert. Tanz der Bässe wird somit auch 2015 stattfinden.

„Keine Resolution nötig“ hat Bürgermeister Gottfried Störmer eine neuerliche Pressemitteilung überschrieben, mit der er seine Haltung zum „Tanz der Bässe“ erläutert. … Gestern korrigierte Störmer seine Entscheidung: Der „Tanz der Bässe“ kann stattfinden, die von Rot-Grün fürs Stadtparlament angekündigte Resolution gegen die Absetzung der Techno-Party habe sich damit erübrigt.

In der nachfolgenden Diskussion, die sich vor allem in den sozialen Netzwerken abgespielt hat (wir berichteten), habe er nicht nur schmähende und „hochemotionale“ Äußerungen vernommen, sondern festgestellt, „dass es konstruktive Kräfte gibt in Lampertheim“. Diese hätten deutlich gemacht, dass ein Stopp des „Tanzes der Bässe“ das falsche Signal wäre. Stattdessen sei die Drogenproblematik in den Debattenforen „ausreichend und genügend berücksichtigt worden“. Viele Fürsprecher dieser Veranstaltung hätten erkannt, dass in der Vergangenheit nicht angemessen mit dem Drogenthema umgegangen worden sei.

Störmer zieht daraus den Schluss, dass er mit seiner ursprünglichen Anweisung ein wichtiges Ziel erreicht habe – „wenn auch nach heftiger Diskussion“. …. Störmer erwartet nun, dass sich die Kommentatoren, die sich in den sozialen Medien so engagiert zum „Tanz der Bässe“ geäußert haben, nun auch öffentlich Stellung gegen den Konsum von Drogen auf solchen Veranstaltungen beziehen.

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