Vote my Ass

Eine neue Seuche geht im Internet um. Penetrant, nervig und vor allem voll fürn Arsch. Wieso? Weshalb? Warum? Na wegen all der Votings für Djs, mit denen uns unsere Socialnetwork-Freunde auf die Nerven gehen.

Da veranstaltet ein großer und erfolgreicher Mainstream-Veranstalter ein sogenanntes Newcomer Voting, um einem DJ die Möglichkeit zu geben, in einem großen Frankfurter Club spielen zu dürfen. Das Warm Up natürlich, was sonst. Alles andere wäre ja auch etwas zu viel verlangt. Ein Warm Up heißt meist: Eine leere Tanzfläche für über eine Stunde zu beschallen, dann die ersten Leute zum tanzen zu animieren und Minuten später, wenn die Tanzfläche voll ist, an den nächsten DJs zu übergeben. Ein gutes Warm Up ist wichtig, aber es ist oft auch eine undankbare Tätigkeit, je nachdem, wie der Veranstalter die Playtimes legt.

Na ja, jedenfalls kurz nach dem Beginn des Votings wurden die Social-Networks überschwemmt mit Postings und Nachrichten, vor allen von Leuten, die bereits DJ sind oder es unter Umständen irgendwann mal sein werden…. vielleicht… eventuell.

Es war nicht selten der Fall, dass man am Tag mehrere dieser penetranten Hinweise auf ein „Vote für mich“ zugesandt bekam. Dabei nicht selten gleich mehrfach von ein und demselben Kandidaten. Die Art und Weise mit der die Protagonisten dabei vorgingen, erinnerte dabei eher an Bettler auf einer Einkaufsmeile. Allerdings nicht die Braven, die einfach nur die Hand aufhalten und für eine milde Gabe bitten. Wir reden hier eher von der Fraktion, die einen am Hemd zieht und hinterherläuft und ständig gebetsartig seine Forderungen immer wiederholt.

In der virtuellen Welt des Internets mag es zwar nicht ganz so körpernah sein, doch der Nervfaktor ist dennoch extrem hoch. Bei manchen wird so sogar der Eindruck vermittelt, dass das eigene Ehrempfinden ganz weit unten angesiedelt ist. Denn tiefer geht es bei den Betteleien teils kaum noch.

Newcomer-Förderung mag ja irgendwie eine gute Sache sein, doch gibt es bei dieser Art von Votings ein ganz großes Problem. Das Voting ist eigentlich total fürn Arsch, weil hier weder das Können noch der Sound wirklich zählen. Denn mal ehrlich, wer hat denn bitte die Zeit sich die mittlerweile 1.000 Sets anzuhören? Doch dies ist noch das kleinere Übel, denn letztendlich wird Derjenige gewinnen, der die meisten Dummen findet, die für ihn stimmen. Die Masse macht´s. Die Masse an Freunden, die gewillt sind den Betteleien zu folgen und brav zu klicken.

Letztendlich kann also jeder gewinnen, wenn er nur genug Freunde und Verwandte dazu bewegen kann eine Stimme abzugeben. Qualität wird also nur bedingt unterstützt, denn man sollte schon davon ausgehen können, dass ein Künstler mit Talent auch diverse Fans vorzuweisen hat. Doch ist es eben nicht von Nöten, wenn man genug andere Freunde hat, die dies übernehmen. Sind so eventuell die Chancen auf den Sieg besser, je mehr Freunde man vorzuweisen hat?

Das bleiben natürlich rein theoretische Überlegungen, geben aber der ganzen Sache einen faden Beigeschmack. Letztendlich interessiert es mich auch nicht die Bohne, wer diesen Contest gewinnen wird. Es wird keinen wirklich interessieren und der Gewinner wird nach dem Warm Up-Set zwar ein persönliches Highlight haben oder auch nicht, je nachdem wie lang die Playtime ist. Doch nach dem Voting ist praktisch vor dem Voting.

Das Schlimme an der Sache ist, dass der Gewinner in jedem Fall der Veranstalter des Votings ist. Mehr kostenlose Werbung für seine Marke und besagten Abend kann man gar nicht bekommen. Am besten auch noch so, dass die Printmedien schön umsonst darüber berichten, was für ein „tolles“ Voting und welche „Super – Chance“ dies für den Nachwuchs ist. Im Netz schlägt allerdings die Masse der ganzen Postings, Bettelbeiträge, aufdringlichen Mails oder Nachrichten mittlerweile das normale Spamaufkommen für Potenzmittel und dubiose Geldgeschäfte um Längen.

Zurück bleiben genervte User und jede Menge Künstler und die, die es gerne sein möchten, die für eine clevere Werbekampagne missbraucht wurden. Doch hat man bei der Sache die im Internet entstehende Eigendynamik vielleicht doch etwas unterschätzt.

Die negative Energie, die dadurch entstanden ist, ist nicht zu unterschätzen. Ich bin das beste Beispiel dafür. So nehme ich mir hier die Zeit, um meine Gedanken zu dem Thema niederzuschreiben. Andere sind da schon etwas, nennen wir es mal, „deutlicher“. Da werden Kommentare nicht so lieb und nett verpackt und den Einen oder Anderen hat es auch schon mal aus der Freundesliste gekickt.

Doch machen wir uns nichts vor, das nächste Voting wird kommen und wieder werden wir mit Bitten und Betteln um einen Klick, zu Tode genervt. Doch es könnte schlimmer sein! Stellen wir uns einfach nur vor, auf unserem Weg zum Club müssten wir durch eine lange Schneise von Djs, die alle nur eins wollen: „Einen Klick von uns“.

Euer Grille

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